Wenn ich in den nächsten fünf Minuten nicht sterbe, werde ich das Alter erreichen, was ich als Kind immer so besonders fand.
Es ist spät und seltsamer Weise ist die Müdigkeit von eben verschwunden. Die Kopfschmerzen sind immernoch da. Wie unvernünftig ich doch bin. Ich habe morgen Schule und bleibe Ewigkeiten wach, obwohl ich in den letzten Tagen eh beinahe dort vor Müdigkeit umgekippt wäre. Aber ich dachte mir, ich sollte noch etwas Unvernünftiges tun bevor ich sechzehn bin.
Einen Film, der erst ab diesem Alter erlaubt ist, habe ich schon gesehen. "Let Me In" ist wirklich schön. Es ist etwas Besonderes einen Film ab sechzehn Jahren zu gucken, wenn man dieses Alter noch nicht erreicht hat.
- Zumindest ist es bei mir so. In nur wenigen Minuten werden diese Filme ihren Reiz verlieren. Alles, was gleich nicht mehr für mich verboten sein wird, wird seinen Reiz verlieren.
Ich frage mich nur, was in ein paar Minuten an mir anders ist als jetzt, was mich plötzlich erwachsener oder reifer macht. Erwachsen werde ich ja noch nicht. Ich frage mich, was sich verändert.
Früher dachte ich immer, dass dieses Jahr, in dem man sechzehn ist, ganz besonders wird. Die Hauptfiguren in den Büchern, die ich gelesen habe, waren zum größten Teil so alt. Und allgemein wirkte die Sechzehn auf mich immer so ... erwachsen.
Ich konnte es gar nicht erwarten.
Heute überlege ich immernoch, ob etwas passieren wird. Ich will so sehr, dass in diesem Jahr etwas passiert. Etwas aufregendes. Ich möchte etwas erleben.
Ich merke, wie ich wieder müder werde. Und wie sehr ich mich bemühen muss diesen Text zu schreiben. Vielleicht schreibe ich hier den größten Mist zusammen und merke es nicht mal. Bitte nehmt mir das nicht übel.
Ich hoffe nur, dass ich den nächsten Tag überstehe, dass ich wach bleibe. Müdigkeit ist schrecklich. Am liebsten würde ich immer wach bleiben, damit ich nie wieder etwas verpasse. Nie nie wieder. Ich möchte endlich mein persönliches Abenteuer erleben.
Und ich möchte, dass dieser Abend rum geht und sich in den nächsten Morgen verwandelt. Ihr müsst wissen, dass ich noch nie den Moment erlebt habe, an dem man ein Jahr älter wird. Ich bin immer vorher eingeschlafen. Ich hoffe, dass mir das diesmal nicht passiert.
Deshalb schreibe ich auch wahrscheinlich nur sinnloses Zeug hier her.
Aber ich muss nur noch fünf Minuten überleben. Dann...
Ja, was kommt dann?
Das frage ich mich in den letzten Tagen viel zu oft. Was kommt dann?
Niemand weiß das. Niemand kann in die Zukunft ansehen und niemand kann genau sagen, ob mit Sechszehn das richtige Leben anfängt.
Ich hoffe es doch sehr. Bis jetzt ist es nämlich immer nur an mir vorbei gerast.
Letztes Jahr wollte ich nicht älter werden. Vierzehn war ein sehr schönes Alter, in all meinen Träumen, in denen ich mir Geschichten ausdachte, war ich die Hauptrolle und ich war vierzehn. Mit einem Jahr älter hätte das alles nicht hingehauen.
Mittlerweile habe ich mit an die Fünfzehn gewöhnt. Ja, auch die Fünfzehn ist ein schönes Alter. Und mit dem nächsten Lebensjahr werden wieder alle meine Träume kaputt gemacht. Anderseits ist dieses Alter nur körperlich. Es ist einfach nur eine Zahl wie lange der Körper seit seiner Geburt bis in diesem Moment auf der Welt lebt.
Das wahre Alter ist seelisch. Fühle ich mich wie fünfzehn? Nein. Wie sechzehn? Nein. Ich fühle mich wie eine Zwölf- und eine Achtzehnjährige gleichzeitig. Und ich frage mich immernoch, wie das eigentlich geht. Aber ich bin ein Kind, ich will mich kindisch benehmen. Und ich bin so erwachsen, dass ich mich erwachsen benehmen will, wenn es angebracht ist. Ich will nicht gespielt erwachsen sein, wie eine Menge andere in meinem alter. Das sind die, die andere herablassend ansehen oder lachen, wenn jemand etwas nicht weiß, das sie wissen. Und das sind die, die sich besonders cool verhalten.
Sie verhalten sich nicht kindisch, dafür fehlt ihnen die Einfachheit. Und sie verhalten sich nicht erwachsen. Und so will ich nicht sein.
Ich will ich sein. Aber das ist so schwer, wenn man deshalb ausgelacht oder schief angeguckt wird.
Aber vielleicht schaffe ich es mit Sechszehen. Ich meine, es wird so viel passieren! Ich mache meinen Abschluss, beginne die Ausbildung... Vielleicht wird daraus ein Abenteuer und vielleicht schaffe ich es ja ich selbst zu sein.
Wenn ich in den nächsten fünf Minuten nicht sterbe, werde ich das Alter erreichen, was ich als Kind immer so besonders fand. Und ihr habt keine Ahnung, wie seltsam ich mich fühle.
Ich dachte früher auch immer, dass wenn man 18 ist sowas wie ein ganz anderes Leben ist, weil man ja viel mehr darf.
AntwortenLöschenAber es ist nicht so. Wobei ich denke, wenn mir das damals jemand gesagt hätte, dass es kein Unterschied ist, ob du 17 oder 18 bist, dann hätte ich es eh nicht geglaubt.
~ Nira
Ich dachte immer 17 wäre ein schönes Alter, weil man von Erwachsenen anders behandelt wird, weil man eben schon reifer ist und weil man trotzdem noch nicht komplett dem eigenen Leben ausgesetzt ist.
AntwortenLöschenUnd jetzt hocke ich hier - werde immer noch als Kind bezeichnet und wünsche mir so bald wie möglich 18 zu werden um nicht jede Veranstaltung oder Verpackung auf ein fsk18-Zeichen zu untersuchen.
Ich glaube als junger Mensch kann es nie zu schnell gehen - und dann kommt der Sprung ins kalte wasser und man wünscht sich die zarten 16 (wie in deinem Fall) zurück :)
Liebe Grüße > darkest.heart